Therapie

• allgemeine Maßnahmen:
im Akutfall und bis zur Einleitung der diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen wird der Patient folgendermaßen angeleitet:

- Oberkörper aufrecht (Blutzufuhr zum Kopf wird verringert)
- Blut, das in den Rachen hinunter läuft nicht schlucken
- Nasenflügel gegen die Nasenscheidewand drücken
- Eisbeutel in den Nacken (reflektorische Vasokonstriktion)

Bei stärkeren Blutungen wird ein venöser Zugang gelegt.

 

• Ätzung mit Silbernitrat:
Handelt es sich um eine leichte Blutung aus dem Locus Kiesselbachi reicht es aus, nach genauer Lokalisation der Blutungsquelle diese gezielt mitn einem Silbernitratstift zu verätzen. Wichtig ist hierbei, dies nur auf einer Seite des Septums durchzuführen, da bei gleichzeitiger Verätzung auf beiden Seiten des Septums durch die Unterbindung der Blutversorgung die Gefahr einer Septumperforation besteht.

 

• Nasentamponade:
Bei stärkeren Blutungen aus den vorderen Nasenabschnitten gibt es verschiedene Möglichkeiten die Nase zu tamponieren. Wirkprinzip ist der Druck von innen und dadurch die Abdichtung der blutenden Gefäße. Die Nase wird immer beidseitig tamponiert, nicht nur die blutende Seite, da die Tamponade der Gegenseite als Druckwiderlager fungiert.

Zum Tamponieren können salbengetränkte Gazestreifen verwendet werden, die schichtweise in beide Nasenhaupthöhlen eingeführt werden. Außerdem stehen Fingerlingstamponaden zur Verfügung und Schaumstofftamponaden, die bei Kontakt mit Flüssigkeit aufquellen.
 

                
salbengetränkte Gazestreifen                                    Fingerlingstamponaden
 

Technik:
Zum Einführen der Tamponaden wird das Nasenloch vorsichtig mit einem Spekulum aufgespreizt und die Tamponade mit einer langen Pinzette schrittweise nach hinten eingeführt, bis sie die ganze Nasenhaupthöhle ausfüllt und vorne nur noch die Fixierschnüre zu sehen sind. Diese werden dann mit den Schnüren der Gegenseite verknotet und mit einem Pflaster auf dem Nasenrücken fixiert.
 

                 
Nasenloch wird mit Spekulum aufgespreizt und die Tamponade mit einer langen Pinzette eingeführt.


Eine weitere Alternative sind aufblasbare bzw. füllbare Ballontamponaden mit Ein- und Zweikammersystem. Diese werden mit Kochsalzlösung gefüllt und komprimieren so die Nasenhaupthöhle. Durch die Lage der zweiten Kammer im Epipharynx verschließen sie die Nase zusätzlich nach hinten.

Hat man im Akutfall keine Tamponade zur Hand, kann vorübergehend auch ein Blasenkatheter aushelfen, der in die Nase gesteckt und mit Kochsalzlösung geblockt wird.

Lässt sich eine starke Blutung mit den oben genannten Maßnahmen nicht stoppen (wenn es zum Beispiel aus den hinteren Nasenabschnitten blutet), kann die hintere Nasentamponade (Bellocq-Tamponade) in Narkose angelegt werden. Die Indikation hierzu sollte jedoch zurückhaltend gestellt werden, da hierbei viele Tupfer im Nasenrachenraum liegen, die aspirationsgefährdet sind.


Bellocqtamponade


Anwendungsdauer:
Tamponaden sollten mindestens 3, aber nicht länger als 4 Tage belassen und in dieser Zeit nicht gewechselt werden. Ballonkatheter sind schon ab dem 2. Tag nach und nach zu entlasten, da es sonst zu Schleimhautnekrosen in der Nasenhaupthöhle kommen kann.
Sind die Tamponaden entfernt, ist eine regelmäßige Schleimhautpflege indiziert.

Infektionsprophylaxe:
Solange die Tamponade liegt, ist das Infektionsrisiko im feucht-warmen Milieu der nicht-sterilen Nasenhaupthöhle erhöht. Deshalb erhält der Patient in dieser Zeit eine orale Antibiose (z.B. Cotrimoxazol oder Clindamycin).


• Gefäßunterbindung / Embolisation:
Konnte als Blutungsquelle ein Gefäß aus hinteren oder lateralen Anteilen der Nasenhaupthöhle lokalisiert werden (Versorgungsgebiet der A. sphenopalatina), kann dieses unter endoskopischer Kontrolle durch Koagulation oder mit einem Gefäßclip versorgt werden.
Ultima ratio ist die Unterbindung oder angiographische Embolisation eines größeren Arterienstammes.