Otitis media acuta
Eine akute Otitis media entsteht meist aus einer initial viralen Entzündung (Adeno-, Rhino-, Influenzaviren) und einer anschließenden bakteriellen Superinfektion (Str. pneumoniae, Hib, Moxarella). Die Virale Entzündung sorgt für eine Schleimhautschwellung mit Obstruktion der Tube und Tubenfunktionsstörung. Das daraus entstehende Seromukotympanon ist ein guter Nährboden für Bakterien. Kleinkinder haben ein erhöhtes Risiko für akute Otitiden, da einerseits die kurze Tube ein Eindringen erleichtert, andererseits oft Adenoidhyperplasien für eine vorbestehende Obstruktion der Tube sorgen.
Zu den diagnostischen Hauptmerkmalen gehören:
• Fieber
• ein gerötetes, verdicktes Trommelfell mit Gefäßinjektionen
• anfangs ein retrahiertes (Unterdruck) , später ein vorgewölbtes Trommelfell (Seromukotympanon)
• Paukenerguss hinter dem Trommelfell: Spiegelbildung, Blasen
• evtl. Perforation mit Otorrhoe
• Tonaudiometrie: Schallleitungsstörung

Zum Ausschluss von Komplikationen empfiehlt sich folgendes Vorgehen:
• Hörprüfung Weber/Rinne oder Tonaudiometrie: Schallempfindungsstörung → Labyrinthitis
• Frenzelbrille: Nystagmus → Labyrinthitis
• Mastoidinspektion und -klopfschmerz → Mastoiditis
• Grimassieren lassen → Beteiligung des N. facialis
• Frage/Untersuchung nach Kopfschmerz/Übelkeit/neurologischen Auffälligkeiten → Hirnabszess/Sinusvenethrombose
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| Mastoiditis als Komplikation einer akuten Otitis media |
Die Therapie besteht zunächst in der Wiedererlangung der Tubenfunktion mit abschwellendem Nasenspray und Analgetika (Paracetamol, Ibuprofen – für Kinder als Saft).
Indikation für eine Antibiotikatherapie besteht nur bei:
• Otitis media beidseits
• Otorrhö
• Schweres Krankheitsbild (sehr hohes Fieber, stark reduzierter Allgemeinzustand)
• Risikofaktoren (z.B. Immunsuppression, schwere Grunderkrankungen, Down-Syndrom, Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, Cochlea-Implantat-Träger)
• Alter <6 Monate
• Keine Symptombesserung binnen 48 Stunden
Antibiotikum der Wahl = Amoxicillin
